Veranstaltung:“Zur Aktualität des serbischen Geschichtsrevisionismus“

Veranstaltung: „Zur Aktualität des serbischen Geschichtsrevisionismus“

DrazaAntifaschismus und die Errungenschaften der jugoslawischen Partisan_innen bestimmten für fast ein halbes Jahrhundert Geschichte, Bildung und Kultur Jugoslawiens. Nach Titos Tod 1980 und dem Zusammenbruch der jugoslawischen Föderation verbreitete sich ein offener Nationalismus in allen jugoslawischen Republiken. Damit wurde Tür und Tor für die Revision der Geschichte und geöffnet: der Gründungsgedanke der Staates „bratstvo i jedinstvo“ (Brüderlichkeit und Einheit) wurde ebenso angezweifelt, wie die Geschichtsinterpretation des Zweiten Weltkrieg. Täter wurden zu Opfer stilisiert und die Erfolge des gemeinsamen Kampfes in Frage gestellt.
Spätestens seit 2000 wurde in Serbien der Geschichtsrevisionismus zur Staatsideologie erhoben. Dieser basiert auf Antikommunismus und Nationalismus. Er hat zum Ziel, dass der Kampf der Partisan_innen und die durch sie erkämpfte sozialistische Revolution in Vergessenheit gerät und fordert stattdessen die Akzeptanz einer Geschichte, die frei vom Kommunismus ist. Damit sollen gleichzeitig der neu eingeführte Kapitalismus gerechtfertigt und die Erinnerung an eine sozial Alternative delegitimiert werden.
Daneben ist, wie in den meisten anderen postsozialistischen Staaten, dieser Geschichtsrevisionismus auf ein Regime zurückzuführen, das nationalistisch und chauvinistisch ist. Die Rehabilitation von Kollaborateuren und Quislingen sowie offen faschistische Bewegungen des Zweiten Weltkrieges dient als Mittel, den Geschichtsrevisionismus durchzusetzen. Besonders deutlich wird das durch die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Tode Verurteilten, Getöteten und schuldig Gesprochenen, die nun als „Opfer des kommunistischen Regimes“ hingestellt werden.
Die Geschichte des Antifaschismus wird schamlos übergangen und abgelehnt, alte Faschisten werden staatlich rehabilitiert und medial bejubelt. Dies schafft Platz für neue faschistische und sonstige chauvinistischen Bewegungen, die vom serbischen Staatsapparat toleriert und zum Teil gefördert werden, da sie ideologische die gleichen Ziele verfolgen. Dies zeigt, weshalb der Kampf gegen diese geschichtsrevisionistischen Tendenzen und die Erinnerung an den erfolgreichen Partisan_innenkampf ein wichtiger Aspekt in der aktuellen jugoslawischen und serbischen antifaschistischen Bewegung ist.

Die Aktivistin und Journalistin Jelena Djureinović wird über das Phänomen Geschichtsrevisionismus und Anti-Antifaschismus in Serbien referieren und diskutieren.

Die Veranstaltung wird auf Englisch sein, falls notwendig, wird es eine Flüsterübersetzung ins Deutsche geben.

Ort: k-fetisch (Wildenbruchstraße 86, 12045 Berlin)
Datum: Di, 30.07.2013
Uhrzeit: 19 Uhr

Eine Veranstaltung des Solidaritätsnetzwerk SolidarnOST – Solidarität mit den Antifas im ehemaligen Jugoslawien. Infos: solidarnost.blogsport.eu

—english version—

Discussion: On current „Serbian historical revisionism“

Antifascism and the achievements of the Yugoslavian partisans determined for almost half a century the history, education and culture of Yugoslavia. After Tito’s death in 1980 and the collapse of the Yugoslavian federation an open nationalism spread in all Yugoslavian republics. This opened the door for a revision of history: the initial idea of a society based on „Bratstvo i Jedinstvo“ (Fraternity and Unity) was challenged as well as the history interpretation of the second World War. Perpetrators are becoming victims and the successes of the common fight is put into question.
At the latest since 2000 the historical revisionism became a state ideology in Serbia and is based on anti-communism and nationalism. It aims to erase the fight of the partisans and the achieved socialist revolution from history and demands an acceptance of a story instead, which is free from communism. This shall justify the newly established capitalism and delegitimize the memory of social alternatives.
This historical revisionism, like in most post-socialist states, can be traced back to nationalistic and chauvinistic regimes. The rehabilitation of collaborators, quislings and openly fascist movements during the Second World War serves as means to succeed with the revisionism of history. Explicit examples for this process are that those sentenced to death, killed and convicted guilty after the second World War, are now presented as „the victims of the communist regime“.
The history of the antifascism is ignored and declined shamelessly, old fascists are rehabilitated by the state and cheered in the media. This opens spaces for new fascist and other chauvinistic movements, which are tolerated and promoted partly by the Serbian state since they follow a similar ideology. This shows why the fight against historical revisionism trends and the memory of the successful struggle of the partisans is an important aspect in the current Yugoslavian and Serbian antifascist movement.

The activist and journalist Jelena Djureinović will talk and discuss about the phenomenon of history revisionism and anti-antifascism in Serbia.

The event will be held in Englisch. If necessary translation will be offered.

Place: k-fetisch (Wildenbruchstraße 86, 12045 Berlin)
Date: Tuesday, 30th of July 2013
Time: 7 pm

The event is organized by the solidarity network SolidarnOST Solidarity with Antifas in former Yugoslavia. Information: solidarnost.blogsport.eu