RADIO SOLIDARNOST » EMISIJA #03

Radio SolidarnOST » Emisija #03

Am 12. Februar ’14 lief die dritte Sendung von RadioSolidarnOST bei PiRadio in Berlin. Thema der Sendung waren die Aufstände in Bosnien und Herzegowina. Seit Anfang Februar gehen in dem ehemaligen jugoslawischen Republik die Menschen auf die Straße. Ihr Protest richtet sich gegen die miserablen Lebensbedingungen, Korruption und die herrschenden Eliten. Wir haben dazu ein Interview geführt und uns berichten lassen, wie die Situation in Sarajevo ist.

Außerdem gibt es ein Interview zu dem homophoben Überfall auf das queere Filmfestival „Merlinka“ in Sarajevo.

Die nächste Sendung von RadioSolidarnOST ist am 9. April 2014 um 20.30 Uhr bei PiRadio auf 88,4 MHz in Berlin oder online zu hören.

Viel Spaß beim Nachhören!

Mitschnitt: Veranstaltung mit Gipsy Mafia

Mitschnitt: Infoveranstaltung mit Gipsy Mafia

Konzert von Gipsy Mafia in Novi Sad am 9. November 2013

Am 4. Januar ’14 war die Hip-Hop-Band in Berlin. Vor ihrem Konzert informierten sie über die Lage von Roma in Serbien, ihre Musik und ihren Kampf gegen Rassismus.

Alle, die selbst nicht dabei sein konnten, haben hier die Möglichkeit die Infoveranstaltung nochmal nachzuhören.

Viel Spaß dabei!

Veranstaltungshinweis: „Bosnischer Frühling 2014“

Veranstaltungshinweis: „Bosnischer Frühling 2014“ 25.02.2014 in Berlin

Gefunden im Stressfaktor.

Am Dienstag, den 25.02.2014 findet um 20.00 Uhr in der Meuterei in Berlin/Kreuzberg eine Infoveranstaltung mit dem Titel „Bosnischer Frühling 2014“ statt.

Infoveranstaltung in der Reihe „policing the crisis“ zum Aufstand in Bosnien-Herzegovina. Wir wollen versuchen, die gegenwärtigen Ereignisse zusammenzutragen, freuen uns über Eure Beiträge und hoffen auf eine spannende Diskussion.

 

Interview zu Bosnien: „Wir sind einfach eine Person mit tausenden Körpern“

 

Interview zu Bosnien: „Wir sind einfach eine Person mit tausenden Körpern“

Gefunden auf:  https://linksunten.indymedia.org/de/node/106584

 

Wir dokumentieren ein Interview mit der Anarchistin “Lo” über die sozialen Proteste in Bosnien-Herzegowina. Geführt wurde das Interview von der Revolutionären Aktion Belarus. Eine Erstveröffentlichung erfolgte auf russisch.

 Kannst du dich kurz vorstellen und deine Überzeugungen beschreiben?

 Ich bin Lo, Anarchistin aus Sarajewo. Wichtig ist, dass ich kein Mitglied irgendeiner Organisation bin, weil wir so was in Bosnien nicht haben. Als Anarchistin stehe ich durch meine Ideen mit anderen Menschen, die dieselben oder ähnliche Ideen haben, in Verbindung. Also bilden wir eine Gemeinschaft – Slobodari (die durch die Gründung eines unabhängigen Nachrichtennetzwerks bekannt wurde).

Welche Proteste finden in Bosnien gerade statt?

 In Bosnien finden momentan Proteste gegen die Regierung statt. Um die Situation zu begreifen, müsst ihr verstehen, wie unsere Regierung während der letzten 20 Jahre nach dem Krieg operiert hat (Anm. d. Ü.: Gemeint ist der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995). Seitdem der Krieg vorbei ist und die Menschen ihre Jobs, Familien und ihre Nächsten verloren haben, stagniert Bosnien in der Situation von 1995. Das war natürlich ein guter Nährboden für den Kapitalismus. Es bestand keine Gefahr, dass Menschen wütend werden, da Bosnier*innen von Tod und Zerstörung müde waren. Um uns für die nächsten 20 Jahre zu unterdrücken, nutzten sie geschickt nationalistische Propaganda, weil in Bosnien drei große Nationalitäten gemeinsam leben. Bosnien war schon immer ein multikulturelles Land und den Menschen würde es nicht ein mal im Traum einfallen, das für kriminelle Interessen auszunutzen. So geschah es aber. Am 5. Februar 2014 stellten sich unterdrückte und enttäuschte Arbeiter*innen aus Tuzla vor das Regierungsgebäude und verlangten nach ihren Grundrechten.

Wichtig zu wissen ist, dass sie monatelang protestiert haben. Diese Arbeiter*innen bekamen ihren Lohn seit Jahren nicht mehr ausgezahlt und die Betriebe, in denen sie beschäftigt waren, wurden privatisiert. Also gingen sie zur Regierung und baten sich ihren Problemen anzunehmen – die Regierung weigerte sich jedoch. Sie erniedrigte die Menschen buchstäblich, nicht nur indem sie sich mit ihren Problemen nicht auseinandersetzte, die die Probleme ihnen ja bereitet hatte, sondern dass sie mit den Menschen nicht einmal reden wollte! An jenem Tag bekamen sie Unterstützung von jungen Leuten, die wussten, dass sie keine Zukunft in diesem Land haben. Zusätzlich wurden sie von den Arbeitslosen in Tuzla unterstützt. Die Situation wurde spannend als sie in das Regierungsgebäude eingebrochen sind. Danach fingen die Straßenschlachten mit der örtlichen Polizei an. Die Bullen verhielten sich sehr aggressiv und prügelten auf 15-Jährige Kids, auf Alte, auf Kriegsveteranen, usw. ein. Die Cops verletzten einen Protestierenden schwer, anschließend verhafteten sie ihn und ließen ihn nicht ärztlich behandeln. Er wurde letzte Nacht freigelassen.

Die Proteste in 21 anderen Städten begannen aus Solidarität mit den 22 Verhafteten in Tuzla. Tuzla beeindruckte uns alle. Die Bosnier wussten, sie müssen rebellieren, wussten aber nicht wie und waren enttäuscht von den gewaltfreien Protesten, die durch Politik und NGOs im vergangenen Sommer organisiert wurden. Sie wissen, dass all diese NGOs von USAID (Anm. d. Ü.: Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung) und NED (Anm. d. Ü.: National Endowment for Democracy) bezahlt werden, also würden sie sich nicht den von ihnen organisierten Protesten anschließen. Nachdem sie gesehen hatten, dass diese Proteste von den Armen akzeptiert wurden und nicht von bezahlten „Berufs-Aktivist*innen“ organisiert sind, gingen die Leute auf die Straße. Am Rande sei erwähnt, dass heute Protestierende Regierungsgebäude in Brand steckten: in Tuzla, Sarajewo, Mostar, Zenica…

In Bihać nahmen die Protestierenden den Bürgermeister fest. Wie auch immer, die Situation ist immer noch heikel und unberechenbar – wir wurden vom Platz, auf dem die Proteste stattfanden, vertrieben. Eine Menge Menschen wurden verhaftet, verletzt und es gibt viele Demonstranten mit gesundheitlichen Problemen, weil die Cops auf uns unglaubliche Mengen an Tränengas verschossen. Ich sah Menschen, die beinahe erstickten und versuchten frische Luft zu kriegen, die es in der Gegend gerade nicht gab. Die Bullen verseuchten buchstäblich einen 1 Kilometer langen Straßenabschnitt. Jetzt versuchen wir die Informationen über die Verhafteten zu bekommen, Rechtsanwälte zu organisieren und Essen als auch Kleidung den Geiseln in Staatshänden zu schicken.

Was war der Auslöser der Proteste und welche Ursache gab es? Wie kam es zu dieser Gewalteskalation?

 Wie ich schon berichtete – die Regierung weigerte sich, mit den Protestierenden zu reden und die Interessen der Arbeiter*innen umzusetzen. So eine Arroganz musste zur Wut bei den Menschen führen. Die bosnische Regierung vergaß, wer sie wählte und für wessen Interessen sie arbeiten sollte – die der Kapitalisten oder die der Arbeiter*innen? Die Entscheidung der Regierung war klar. Unsere war’s auch. 🙂

Wie beteiligen sich Anarchist*innen an den Protesten? Gibt es irgendwelche libertären Organisationen?

 Die hiesigen Anarchist*innen kämpfen zusammen mit den Menschen auf der Straße. Es gibt keine richtige Strategie, weil – wie ihr seht – wir von einer Straße in die andere rennen müssen. Wir als Anarchisten, stellen unsere Positionen den Protestierenden zur Diskussion – wie beispielsweise die Unterstützungsverweigerung jeder politischen Partei und Organisation. Enthusiastisch entgegneten uns die Menschen. Ich weiß, diese Menschen, tief in ihrem Inneren, soweit sie nicht ideologisiert sind, sind echte Anarchist*innen. Und sie zeigten das gestern und heute. Wichtig ist, dass die Protestierenden in ganz Bosnien sich weigerten politische Parteien und NGOs zu unterstützen. Nur in Banja Luka, wo der Protest von der NGO Oštra Nula organisiert wurde, war es anders. Das war ein gewöhnlicher NGO-Protest, mit wenigen Transparenten und man stand ein oder zwei Stunden rum. Aber: Ein Typ wurde für ein Transparent mit der Aufschrift „Dodik is gay and half“ verhaftet (Dodik ist der Präsident der Republik Serbiens. Die Republik Serbien ist Teil Bosniens und nicht des Staates Serbien).

Es gab noch mehr Sachen, die wir den Menschen vorstellten und die sie akzeptierten. Sie sollen auf Autos oder Häuser von gewöhnlichen Menschen achten und sie nicht beschädigen oder gar anzünden, Festgenommene sollen befreit werden, die Unterstützung von Leuten aus anderen Städten soll nicht angenommen werden, sondern man soll die Auswärtigen lieber dabei unterstützen Aufstände in ihren Städten zu organisieren. Wir machten auch klar, dass wir Facebookseiten und -likes nicht brauchen. Wir sind auf den Straßen präsent und die einzige Solidarität, die wir akzeptieren, ist die, hinter der selben Barrikade zu stehen – egal in welcher Stadt. Jegliche NGO-Politik, die beispielsweise Konzerte zur Befriedung veranstaltet, sind zurück zuweisen (Es ist zur Tragikomödie verkommen wie die Repräsentanten der NGOs während der Proteste Konzerte organisieren, um uns vom Kampf abzuhalten). Es gibt keine Blumen für die Polizei, keine Kerzen vor Gebäuden oder ähnliche pathetische Scheiße. Und das Wichtigste: KEIN FRIEDEN MIT DER REGIERUNG! Die Medien fingen an von „Anarchie in Bosnien“ und „Chaos“ zu reden, sie versuchten diese Proteste zu kriminalisieren… Heute habe ich die Leute sagen hören: WER HAT IMMER NOCH ANGST VOR DER ANARCHIE?

Aus Gesprächen mit Menschen aus anderen Städten habe ich mitbekommen, dass sie eine andere Regierung nicht wollen und dass diese Proteste, bis die Menschen einen Plan haben, andauern werden. Forderungen stellen die Protestierenden stündlich in Eigeninitiative auf den Straßen. Ein Beispiel: Die Regierung hat 10 Minuten Zeit um alle Gefangenen freizulassen, wenn sie der Forderung nicht nachkommen, wirft man Steine durch die Fenster. Heute bekamen sie ein Geschenk: Es brannte und ein paar Cops mussten ins Krankenhaus! Und all das wird weiter gehen, bis unsere Leute entscheiden, dass es genug ist.

Gibt es Unterstützung von Genoss*innen aus anderen Ländern?

 Wir erfahren Unterstützung von gewöhnlichen Menschen und Genossen aus der ganzen Welt. Es gibt viel Solidarität, und ich denke, das ist im diesem Moment sehr wichtig. Aus Serbien, Kroatien, Slowenien, Mazedonien, Montenegro, Bulgarien und Griechenland – von all unseren Nachbarn – kommen solidarische Grüße und wir sind ihnen dafür sehr dankbar. Und nicht nur Solidarität – sie sagten, sie seien von uns inspiriert und jetzt versuchen die Menschen Proteste in Kroatien zu organisieren. Das ist ein wundervolles Gefühl! Und natürlich will ich mich bei den Genoss*innen von Anarchistična Pobuda aus Ljubljana, MASA aus Rijeka (Kroatien) und all den anderen Genoss*innen bedanken, die uns Worte der Solidarität geschickt haben, und vielen von ihnen möchte ich dafür danken, dass sie nach Sarajewo kamen. P.S.: Die Genoss*innen von Anarchistična Pobuda organisieren am Montag Proteste vor der bosnischen Botschaft.

Was meinst du, warum berichten die Massenmedien lieber über die Geschehnisse in Kiew und ignorieren die Proteste in Bosnien?

 In Kiew werden die Proteste von der Opposition angeführt. In Bosnien gibt es so etwas wie eine Opposition nicht, weil wir jeden verjagt haben, der versuchte, wie ein Anführer zu gebärden. Natürlich versuchten die lokalen Medien „herauszufinden“ wer diese Proteste organisiert hat. Ihr wisst, sie benehmen sich wie Idioten und wollen die „Strippenzieher“ in Erfahrung bringen. Diese dummen Köpfe können nicht verstehen, dass die Proteste von den Menschen organisiert und angeführt werden. Wir sind einfach eine Person mit tausenden von Körpern. Die lokalen Medien versuchten auch die Proteste zu kriminalisieren und uns als Rowdys und Kriminelle abzustempeln. Indem sie Falschmeldungen wie z.B. „sie plündern Geschäfte“ verbreiten. Das ist nicht wahr! „Sie zündeten das Bosnische Archiv an“ – das ist wahr! Wir steckten die Gebäude in Brand, danach aber gingen die Angreifer hinein und riskierten ihre Leben um das Archiv zu retten.

Wie auch immer: bis heute Abend erwähnte der BBC und CNN die Proteste in Bosnien nicht mal ansatzweise. Das sagt eine Menge – das spricht zweifelsfrei für uns. Für einen authentischen Aufstand und gegen den sie alles mögliche auffahren werden, auch in den Medien, sei es durch Ignoranz oder Angriff.

Die Menschen verstanden endlich, dass hinter jenem balkanischen Nationalismus nur Geld, Macht und Politik steht. Sie verbrachten 20 Jahre damit, uns mit nationalistisch-chauvinistischen Mythen zu terrorisieren, damit sie uns beherrschen können, um die Reichtümer zu plündern, die verfeindete Nationen in den dunklen Zeiten geschaffen haben. Die Geschehnisse in Bosnien gaben meinem Herzen die Hoffnung, dass die Menschen das endlich eingesehen haben! Ich hoffe, dass der Schwindel des Jahrhunderts, der lautet: „DER NATIONALISMUS IST NUR EIN ANDERER NAME FÜR DEN RAUB AN ARBEITENDEN MENSCHEN!“, verstanden wurde.

Wie ist es um die Zukunft des Protests bestellt und in welcher Rolle sehen sich die Anarchisten?

Die Anarchist*innen planen selbstverständlich Seite an Seite mit den Menschen zu bleiben. Besonders jetzt, wenn der Staat mit der Repression reagiert (es wurden bereits über 100 verhaftet). Der Einsatz der Anti-Terror-Einheit ermittelt in der Sache und die amerikanische Botschaft verkündete, dass sie uns nicht unterstützt. Das sagt uns, das wir das schon gut machen. Wir planen natürlich nicht, den Menschen unsere Ideen aufzuzwingen – wir werden aus aller Kraft versuchen, ein lebendiges Beispiel zu sein, wie Menschen miteinander ohne Anführer auskommen können und was ein menschlicher Umgang in der Gesellschaft bedeutet.

Als nächstes wollen wir einige Personen daran hindern und ihnen erklären, warum es falsch ist, Zeitungsstände auszuplündern, denn sie sind oft die einzige Einkommensquelle für arme Menschen. Es gibt jede Menge anderer staatlicher und international agierende Unternehmen, die man – ohne den Menschen unsere Klasse Schaden zuzufügen – plündern könnte. Wir diskutierten das heute und wir hoffen, dass diese Situation sich in Richtung Griechenland und der Türkei entwickeln wird, und nicht, wie in Syrien und der Ukraine. Es gibt zwei Gründe, warum wir hoffen und wollen, dass die Situation sich in diese Richtung entwickelt: Erstens – die Menschen in Bosnien sind, soweit wir wissen, nicht miteinander vernetzt und Barrikaden sind der beste Ort um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und mit ihnen zu arbeiten. In meiner Stadt gibt es viele Menschen, die ich nie in meinem Leben getroffen habe (zur Erinnerung: in Sarajewo leben etwa 350 000 Menschen). Das Problem der Trennung zwischen den Menschen kann hier behoben werden. Wir hatten nie eine Chance uns zu begegnen, wir wissen nicht, was Menschen, mit denen wir uns eine Stadt teilen, mögen, was sie glauben, wie sie diese Situation empfinden und am Wichtigsten: wie sie ihre Wut und Empörung ausdrücken wollen und wie sie unsere Zukunft sehen. Zweitens – die Menschen in Bosnien haben nicht vor, in noch einen Krieg für Imperialisten zu ziehen, einen Krieg für nichts und wieder nichts. Sie wollen keine Menschen umbringen, weil diese einen anderen Namen haben, an einen anderen Gott glauben oder in einem anderen Teil des zerstückelten Landes leben.

Vielen Dank. Möchtest du abschließend noch ein paar Schlussworte loswerden?

 Weil viel Scheiß in den Massenmedien über „Rowdys“ und „Vandalen“ in Bosnien geschrieben wurde, will ich zuletzt klarstellen: Leute, die diese Kids „Rowdys“, „Vandalen“ und „Punks“ nennen, egal ob Presse oder Politiker*innen – diese Leute wissen nicht, wie es sich anfühlt, jeden Tag 8 Stunden in der Schule ohne Geld zu verbringen. Sie kamen nie nach Hause und hörten ihre Mütter sagen: „Wir haben heute nichts zum Essen“.

Sie wissen nicht, wie es sich anfühlt tage-, oder gar monatelang z.B. keine Schokolade zu essen. Sie trugen nie zerfledderte Klamotten. Sie sitzen in ihren warmen Häusern, essen und trinken was sie wollen, geben Geld in „urbanen“ Clubs aus, fahren Autos mit 18 Jahren. Und natürlich halten sie Moralpredigten vor den Protestierenden und erklären wie falsch das alles ist. JEDER Junge, den sie „Rowdy“ nennen, ist einer, der in Armut aufgewachsen ist. Es ist logisch, dass es für die Kids Zeit zu sagen ist: „ES REICHT!“ Diese Jungs und Mädchen sind wunderbare junge Menschen, die nicht viel verlangen. Sie brauchen so wenig um glücklich zu sein und die Regierung will ihnen nicht ein mal das geben. Also sind sie gekommen, um sich zu holen, was ihnen gehört. Freiheit und rudimentäre Menschenrechte!

„Wir sind einfach eine Person mit tausenden Körpern“

Erklärung von „Red Action“ (Zagreb/Kroatien) zu den sozialen Aufständen in Bosnien

Erklärung von „Red Action“ (Zagreb/Kroatien) zu den sozialen Aufständen in Bosnien

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/106120

Informationen bezüglich der aktuellen Aufstände in Bosnien und Herzegowina für unsere ausländischen Genossen

-Die Proteste begannen am 4. Februar in der Industriestadt Tuzla. Arbeiter verschiedener privatisierter Unternehmen aus Tuzla organisierten einen Kampf (ohne die Hilfe oder die Unterstützung der Gewerkschaften) für Aufhebung der Privatisierungen und gegen die Schließung der Fabriken. Eine große Anzahl von Menschen aus der Stadt und der Region, besonders Studenten und arbeitslose Jugendliche, schlossen sich ihnen an

In den folgenden Tagen wurden in verschiedenen anderen Städten in Bosnien und Herzegowina Solidaritätsaktionen organisiert. Dies war nicht die erste Bewegung dieser Art in Bosnien, sondern eine Fortsetzung früher Proteste gegen Armut und Korruption, wie es viele in den letzten Jahren nicht nur in Bosnien, sondern auch in anderen Ländern in der Region (Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Slowenien etc.), gab. Bosnien hat den niedrigsten Durchschnittslohn all dieser Länder und hat eine bedeutend höhere Rate von Jugendarbeitslosigkeit als Griechenland, Spanien oder Kroatien.

Die Aktionen, die letzte Woche begannen, wiesen eine wesentlich höhere Beteilligung als vorran gegangene Proteste auf. Die Protestierenden verteidigten sich auch sehr erfolgreich gegen die Polizeirepression. Am 7. und 8. Februar gelang es ihnen verschiedene lokale und gesamtstaatliche Regierungsgebäude in Tuzla, Zenica, Bihac, Mostar und Sarajevo – darunter den Sitz des Präsidenten in Sarajevo – zu besetzen und teilweise in Brand zu stecken. Sie zwangen außerdem verschiedene regionale Regierungen offiziell zurückzutreten. (Aufgrund des komplizierten auf Ethnien basierenden politischen Systems, haben regionale Regierungen mehr Macht als die gesamtstaatliche Regierung)

Am Sonntag, dem 11. Februar, mischten sich – koordiniert durch die EU – die kroatische und serbische Regierung ein. Am gleichen Tag traf sich die serbische Regierung mit ethnisch serbischen Politikern aus Bosnien-Herzegowina und der kroatische Premierminister besuchte ethnisch kroatische Politier in Mostar in Bosnien-Herzegowina. Seitdem haben kroatische Medien und Politiker eine aggresive Kampagne mit der Behauptung, es handele sich nicht um soziale Proteste, sondern um gegen die Kroaten in Bosnien-Herzegowina gerichtete Proteste, gestartet. Die serbischen Medien regierten mit einer ähnlichen Kampagne und behaupteten, die Proteste seien der „Beginn eines muslimischen Krieges gegen die Serben“. Nichtsdestotrotz haben sich die Proteste auf ethnisch gemischte Städte wie Tuzla oder Mostar, auf vorwiegend kroatische Sädte wie Livno oder Orasje sowie auf vorwiegend serbische Städte wie Prijedor und Bijelina ausgedehnt. Auch der türkische Außenminister Mehmte Davotoğlu besuchte Sarajveo, traf sich mit Politikern der islamischen Gemeinde und versprach, die Türkei werde einen Krieg „wie in den 90ern“ verhindern.

Anders als in der Ukraine hat die EU die Protestierenden, nicht aber die Regierung, verurteilt. Den höchsten Grad von Macht hat in Bosnien und Herzegowina nicht eine lokale oder gesamtstaatliche Regierung, sondern der „Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina“ inne. Dies ist eine Art kolonialer Gouverneur, der von der EU mit der Unterstützung der U.S.A. eingesetzt wurde. Der amtierender „Hoher Repräsentant“, ein Österreicher namens Valentin Inzko, hat versprochen, die EU werde militärisch intervenieren, sollten die Proteste andauern. Verschiedene andere EU und US Offizielle haben den Ruf nach einer beschleunigten „NATO-Integration“ in Bosnien erhoben, um die „Stabilität zu gewährleisten“.

Während des vergangenen Wochenendes haben die Protestierenden in verschiedenen Städten wie Tuzla, Sarajevo und Mostar „Plena“ organisiert, Volksversammlungen, die darauf abzielen, die versagenden politischen Strukturen auf regionaler Ebene zu ersetzen. Diese Plena sind seit dem in dutzenden großen und kleinen Städten in ganz Bosnien und Herzegowina organisiert worden. Die Forderungen der Versammlungen sind ähnlich: Rücktritt der Regierungen, Stopp der Privatisierungen, Freilassung der gefangenen Protestierenden etc. Entgegen der Propaganda in den westlichen Medien, hat keine einzige Versammlung irgendeine Art von Einbeziehung der „internationalen Gemeinschaft“ gefordert.

Hunderte von Menschen in Bosnien und Herzegowina wurden von der Polizei geschlagen und festgenommen, viele von ihnen „präventiv“ oder, für die „Unterstützung der Proteste“ im Internet.

In Serbien und Kroatien werden diese Woche Solidaritätsaktionen organisiert.

Der Volksaufstand in Bosnien und Herzegowina ist anti-nationalistisch und eine soziale Rebellion, er wird von der reaktionären Allianz der imperialistischen Kräfte (EU, USA), regionaler expandierender Kräfte (Türkei, Kroatien, Serbien) und lokalen chauvinistischen politischen Eliten angegriffen. Der gemeinsame Versuch dieser Kräfte, die Arbeiter und Völker von Bosnien und Herzegowina anhand von ethnischen und sektiererischen Linien zu spalten, um ihren Einfluss zu sichern, beweißt ein weiteres Mal, dass der Imperialismus nicht fähig ist, die nationale Frage auf dem Balkan zu lösen. Er bringt diese Spaltungen sogar hervor und nutzt sie als letzte Verteidigungslinie des Systems gegen die Aufstände der Völker. Aus diesem Grund ist es von größter Wichtigkeit den aktuellen Kampf in Bosnien und Herzegowina zu unterstützen, die Fehlinformationen und reaktionäre Propaganda zu bekämpfen und sich der Einmischung ausländischer Mächte, die versuchen die Rebellion zu ersticken, entgegen zustellen.

Verbreitet die Wahrheit, errichtet neue Barrikaden, stärkt den Kampf!

 

Red Action (Croatia) —
http://www.crvena-akcija.org/

Solidaritätsmarsch mit Bosnien in Wien

Solidarität mit den sozialen Kämpfen in Bosnien-Herzegowina und im ehemaligen Jugoslawien! Vaša borba je naša borba! Euer Kampf ist unser Kampf!

Seit Tagen gehen in Bosnien und Herzegowina (BiH) zehntausende Menschen auf die Straße. Sie haben genug von Arbeitslosigkeit (44 %), Lohnkürzungen und korrupten Politikern, die in den letzten Jahrzehnten auf Druck von Weltbank oder EU die Privatisierung von Betrieben organisierten. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung hat sich zusammengeschlossen.

ArbeiterInnen stehen mit Pensionierten und Studierenden gemeinsam auf der Straße, Kroaten mit Serben und Bosniaken. Als multiethnische und internationalistische Gewerkschaftsorganisation unterstützt die österreiche KOMintern diesenKampf für ein besseres Morgen, für eine Welt ohne Ausbeutung und Krieg, für eine souveräne unabhängige Demokratie!

KOMintern beteiligt sich deshalb am „Friedlichen Marsch der Solidarität“, der von der Plattform „Solidarität mit den sozialen Kämpfen in Bosnien und EX-YU“ initiiert wurde. Gemeinsam mit anderen Organisationen soll am kommenden Samstag (15.2.) zur Bosnischen Botschaft in Wien demonstriert werden.

Um 13 Uhr folgt eine Kundgebung bosnischer Kulturvereine aus Wien und Linz vor der Botschaft.

Solidaritätskundgebung:
Volle Solidarität mit den sozialen Kämpfen in Bosnien-Herzegowina und im ehemaligen Jugoslawien!
Vaša borba je naša borba! Euer Kampf ist unser Kampf!
Samstag, 15. Februar ’14 | 12.00 Uhr | Bahnhof Wien-Meidling |  U6 Philadelphiabrücke
ab 12.30 Uhr: Solidaritätsmarsch zur Bosnischen Botschaft (Tivoligasse 54)

Veranstaltung: Queere und Feministische Bewegungen in (Ex-)Jugoslawien

Veranstaltung: Queere und Feministische Bewegungen in (Ex-)Jugoslawien

»Solidarisch gegen Faschismus« Antifademo Belgrad 2009

»Solidarisch gegen Faschismus« Antifademo Belgrad 2009

Die Geschichte feministischer Bewegungen in Süd-Osteuropa ist lang und bewegt: vom Partisaninnenkampf gegen den Faschismus, über sozialistische Institutionalisierung bis hin zur autonomen Bewegungen. Schwul-lesbische und später queere Bewegungen werden im Laufe der 1980er sichtbarer. Die Positionierung als Antifaschist_in war und ist in den meisten Gruppen bis heute Konsens und bedeutet, dass soziale und identitäre Kämpfe zusammen gedacht und geführt werden.

Wir wollen in der Veranstaltung eine Überblick über queere und feministische Kämpfe in (Ex-)Jugoslawien geben und zusammen diskutieren.

Vortrag und Diskussion:
Verräter_innen der Nationen: Queere und Feministische Bewegungen in (Ex-)Jugoslawien
Referentinnen: Hana Ćopić und Johanna Moser
Sonntag,  16. Februar 2014 | 15:30 Uhr
faq infoladen | Jonasstr. 40 | Berlin | U-/S-Bf. Hermannstr.

Radio SolidarnOST » Emisija #03

Radio SolidarnOST » Emisija #03 am 12. Februar ’14

Die nächste Sendung von RadioSolidarnOST ist am 12. Februar 2014 um 20.30 Uhr bei PiRadio auf 88,4 MHz in Berlin oder online zu hören. Thema diesmal wird die aktuelle Situation in Bosnien und Herzegowina sein.

Musik:

  • Djan Buba Mara

12. Februar ’14 | 20:30 – 21:30 Uhr | Piradio
Berlin: 88,4 MHz | Potsdam: 90,7 MHz | online

Kundgebung vor Bosnischer Botschaft

Solidarität mit Protesten in Bosnien: Kundgebung vor Botschaft

 

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»Tod dem Nationalismus«

Auf Transparenten und Plakaten standen Parolen wie »Tuzla ist überall«, »Solidarität aus Berlin«, »Tod dem Nationalismus« und »Wir sind mit euch«. Auf einem Transparent war zu lesen: »Vom Vardar zum Triglav, die Elite fürchtet nur eins, dass die Menschen sich vereinen«. Damit wurde die projugoslawische und anti-nationalistische Ausrichtung der Proteste in Bosnien aufgegriffen.

Unterdessen gehen die Proteste in Bosnien  weiter. In einigen Städten (Sarajevo, Bihać, Odžak, Prijedor etc.) sind wieder viele Menschen auf den Straßen. In Tuzla räumen junge Demonstrant_innen die Straßen auf. Die Aktion läuft unter dem Motto: »Wir machen unseren Dreck weg – ihr macht euren.«

In der vergangenen Woche weiteten sich Demonstrationen von Arbeiter_innen in Tuzla zu einem landesweiten Protest aus. Am Freitag gingen Zehntausende Menschen in vielen Städten der ex-jugoslawischen Republik auf die Strasse.

Die Forderungen der Protestierenden haben wir übersetzt und dokumentieren sie an dieser Stelle.

Die unzufriedenen Bürger_innen fordern:

1. Wir wollen eine Lösung des Status für die Arbeiter_innen zerstörter Firmen.

2. Wir fordern verbindlich Anstellungen von Sozialarbeiter_innen in Grund- und Mittelschulen.

3. Wir wollen Mittel für arbeitslose junge Mütter.

4. Wir wollen eine Erhöhung und eine Ausgleichung der Sozialabgaben in der Föderation Bosnien-Herzegowina.

5. Wir wollen das Recht auf Leben.

6. Wir wollen das Recht auf Arbeit.

7. Wir wollen eine lineare Erhöhung der Renten.

8. Wir wollen die Abschaffung von zusätzlichen Vergültungen auf der Grundlage von verschiedenen Kommissionen für Abgeordnete und für Angestellte der öffentlichen Verwaltung.

9. Wir wollen, dass die Gehälter der Minister nachdem ihre Mandate beendet sind, nicht weiter bezahlt werden.

10. Wir wollen, dass die Politikergehälter an den Lohn der Angestellten im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft angeglichen werden.

11. Wir wollen die Absetzung der Regierung, des Premierministers und Minister, die uns 20 Jahre lang belogen haben. Wir haben genug des Nepotismus, des Diebstahls und der Korruption. Wir sind Menschen und keine Sklaven, alles was wir wollen, ist ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten, wie sich die Situation entwickeln wird. So auch am Mittwoch, bei der nächsten Sendung von RadioSolidarnOST.

Solidarität mit den Protesten in Bosnien und Herzegowina!

Kundgebung: Solidarität mit den Protesten in Bosnien und Herzegowina!

Ich geh nicht arbeiten. Ich geh die Regierung stürzen!

Seit Mittwoch sind in Bosnien und Herzegowina Tausende Menschen auf den Straßen, um gegen die korrupte Politik, die Misswirtschaft und die Armut im Land zu protestieren.

Der Auslöser waren Massenentlassungen von mehr als 1.000 Arbeiter_innen im nordostbosnischen Tuzla, nachdem die Privatisierung ehemals staatlicher Betriebe geradewegs in den Bankrott führte. Den Politiker_innen wird vorgeworfen, sich bei den Privatisierungen bereichert zu haben.

Die soziale und wirtschaftliche Situation im Land ist schlecht und nationalistische Politik vergiftet das gesellschaftliche Klima.

Innerhalb kurzer Zeit haben sich die Proteste auf viele Städte des Landes ausgeweitet. Sie richten sich gegen die Regierung und korrupte Eliten, gegen die Polizei-Gewalt und für eine signifikante Verbesserung der Lebenssituation aller Menschen im Land.

Bei den Protesten werden viele Rufe laut, die seit dem Zerfall Jugoslawiens herrschende nationalistische und neoliberale Politik zu überwinden. Es kommt zu zahlreichen Solidarisierungen über ethnische, religiöse und nationale Unterschiede hinweg, denn die Problematik ist überall die gleiche.

Wir wollen aus Berlin eine Solidaritätsbotschaft an die Protestierenden nach Bosnien und Herzegowina senden!

Ihr seid nicht alleine! Nastavite sa borbom!

Wann: Sa. 8. Februar 2014 | 12.00 Uhr
Wo: Vor der Botschaft von Bosnien und Herzegowina | Ibsenstraße 14, Berlin-Prenzlauer Berg | S-Bahn Bornholmer Straße oder Tram Schönhauser Allee/Bornholmer Straße